Vor dem Spiegel
Künstler: Ulrich Sekinger
Höhe: 92 cm
Bronze, Wachsausschmelzverfahren
Auflage: 6 Exemplare
Anfrage zum Objekt stellen
Exposé
Dem berühmten Pariser Choreograf und Ballettmeister Jean Georges Noverre (1727 – 1810) wird der Satz zugesprochen: „Tänzer müssen ihren Körper kennen, wenn sie keine tanzenden Automaten sein wollen". Die Fähigkeit zum Ausdruck im Ballet ist nicht zuletzt den Möglichkeiten des Körpers geschuldet.
„Vor dem Spiegel“ steht die nackte Ballerina im Moment der höchsten Konzentration, wenige Minuten vor dem Auftritt.
Der ernste Zug in einem Gesicht von herber Schönheit lässt erahnen, wie sie die Choreografie ihres Auftritts Schritt für Schritt vor ihrem inneren Auge aufführt. Ihr markantes Kinn unterstreicht ihre Willenskraft und Entschlossenheit.
Diese Anatomie entspricht nicht dem Ideal einer schillernden Welt der Haute Couture.
Die fast maskuline Definition des Torsos, der Arme und der Beine, sowie die betont zurückgenommenen Schultern, entstehen durch die spezifische Muskulatur, die sie benötigt, um die anspruchsvollen, häufig akrobatischen Momente ihrer Vorführung umzusetzen. Nichts ist anspruchsvoller, als durch Leichtigkeit und Anmut zu überzeugen. Ihr Stand verrät die Fähigkeit zur perfekten Koordination, ganz im Einklang mit der Musik. Wenn sie, einen Augenblick später, von ihren Mädchen angekleidet wird, bleibt im weißen Kostüm von ihrem stählernen Körper nichts als feenhafte Eleganz zurück, deren Mühelosigkeit im Scheinwerferlicht den Beobachter die eigene Schwere vergessen lässt.
„Vor dem Spiegel“ ist ein ehrfürchtiger Blick hinter die leidensvollen Kulissen der Leichtigkeit und tief in die Seele des künstlerischen Tanzes.




